Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2026
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Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Wertpapieren nicht vorbei. Aktien und ETFs bieten dir die Chance auf deutlich höhere Renditen als das Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Doch bevor du investieren kannst, brauchst du ein Depot. Die Depoteröffnung ist heute einfacher denn je und ist oft in 15 Minuten erledigt.
In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du dein erstes Depot eröffnest. Ich zeige dir, welche Unterlagen du brauchst, welche Anbieter sich für Einsteiger eignen und welche Kosten auf dich zukommen. Am Ende kannst du fundiert entscheiden, welches Depot zu deinen Zielen passt und wie du typische Anfängerfehler vermeidest.
Was ist ein Depot und warum brauchst du eins?
Ein Wertpapierdepot ist im Grunde ein Verwahrungskonto für Wertpapiere. Während auf deinem Girokonto Geld liegt, liegen in deinem Depot Aktien, ETFs, Anleihen oder Fonds. Ohne Depot kannst du keine Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Das ist die technische Erklärung.
Der Unterschied zwischen Girokonto und Depot
Dein Girokonto ist für den Zahlungsverkehr gedacht. Überweisungen, Lastschriften, Bargeldabhebungen. Das Geld dort arbeitet nicht für dich, im Gegenteil: Bei den meisten Banken gibt es mittlerweile Negativzinsen oder Verwahrentgelte. Ein Depot hingegen ist kein Zahlungskonto. Du kannst damit keine Rechnungen bezahlen oder Geld abheben. Es dient ausschließlich der Verwahrung von Wertpapieren.
Wichtig zu verstehen ist, dass die Wertpapiere in deinem Depot Sondervermögen darstellen. Sollte deine Bank pleitegehen, sind deine Aktien und ETFs geschützt. Sie gehören dir, nicht der Bank. Das ist ein fundamentaler Unterschied zum Girokonto, bei dem du nur eine Forderung gegen die Bank hast. Bei einem Depot bist du echter Eigentümer der Wertpapiere. Die Bank verwahrt sie lediglich für dich.
Zusätzlich zum Depot benötigst du ein Verrechnungskonto. Dieses wird automatisch bei der Depoteröffnung eingerichtet und dient als Zwischenschritt für deine Transaktionen. Wenn du Wertpapiere kaufst, wird der Betrag vom Verrechnungskonto abgebucht. Verkaufst du Wertpapiere, landet das Geld dort. Von diesem Konto kannst du dann auf dein normales Girokonto überweisen. Das Verrechnungskonto ist also die Brücke zwischen deinem Girokonto und deinem Depot.
Für wen lohnt sich ein Depot?
Kurz gesagt: Für jeden, der langfristig Vermögen aufbauen will. Die Zeiten, in denen man sein Geld einfach aufs Sparbuch legen konnte und ordentliche Zinsen bekam, sind vorbei. Wer heute für die Rente vorsorgen will, kommt an Wertpapieren kaum vorbei. Die gesetzliche Rente allein wird in den meisten Fällen nicht ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Ein Depot ist daher nicht mehr nur etwas für Wohlhabende oder Börsenexperten, sondern ein Standard-Instrument der Altersvorsorge.
Besonders für junge Menschen ist ein Depot sinnvoll. Je früher du anfängst, desto länger kann der Zinseszinseffekt für dich arbeiten. Mit einem ETF-Sparplan schon ab 25 € monatlich kannst du systematisch investieren, ohne dich ständig um die Märkte kümmern zu müssen. Du musst kein Börsenexperte sein. Ein breit gestreuter ETF auf den MSCI World oder den S&P 500 reicht für den Anfang völlig aus. Das ist passives Investieren in seiner einfachsten Form.
Auch für Eltern, die für ihre Kinder vorsorgen wollen, ist ein Depot interessant. Ein Kinderdepot oder Juniordepot ermöglicht es, schon früh Vermögen für den Nachwuchs aufzubauen. Die Freibeträge der Kinder können dabei genutzt werden, was steuerlich vorteilhaft ist. Wichtig ist nur, dass du die Kontrolle über das Depot behältst, bis das Kind volljährig ist. Danach gehört das Vermögen rechtlich dem Kind, du hast keinen Zugriff mehr.
Voraussetzungen für die Depoteröffnung
Die Hürden für die Depoteröffnung sind niedrig. Du brauchst keine bestimmte Ausbildung, kein Mindestvermögen und auch keine besonderen Kenntnisse. Trotzdem gibt es ein paar formale Anforderungen, die du erfüllen musst. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben und gelten für alle Anbieter gleichermaßen. Lass dich davon nicht abschrecken, die Unterlagen hast du vermutlich bereits zu Hause.
Steuer-Identifikationsnummer und Verrechnungskonto
Die Steuer-Identifikationsnummer ist Pflicht. Jeder deutsche Staatsbürger hat eine, sie wurde dir automatisch vom Bundeszentralamt für Steuern zugeschickt. Falls du sie nicht mehr findest, kannst du sie beim Finanzamt anfordern oder auf deiner letzten Steuererklärung nachschauen. Ohne diese Nummer geht nichts, da die Bank verpflichtet ist, die Abgeltungssteuer auf deine Kapitalerträge direkt ans Finanzamt abzuführen.
Das Verrechnungskonto wird automatisch bei der Depoteröffnung angelegt. Du musst dich um nichts kümmern. Bei manchen Anbietern ist das Verrechnungskonto gleichzeitig ein vollwertiges Girokonto, bei anderen nur ein reines Abwicklungskonto. Wichtig ist, dass du von diesem Konto Geld auf dein normales Girokonto überweisen kannst und umgekehrt. Die Verknüpfung zwischen deinem bestehenden Girokonto und dem Verrechnungskonto erfolgt meist per SEPA-Lastschrift oder Überweisung.
Einige Broker verlangen, dass du ein Referenzkonto angibst. Das ist ein Konto, von dem Einzahlungen kommen und auf das Auszahlungen gehen. Das dient der Sicherheit, da so verhindert wird, dass Unbefugte Geld von deinem Depot abheben können. Meist ist das Referenzkonto dein normales Girokonto. Änderungen am Referenzkonto sind oft nur mit zusätzlichen Sicherheitsabfragen möglich, was gut ist. So bist du vor Missbrauch geschützt.
Legitimation: Online, VideoIdent oder PostIdent
Die Legitimation ist gesetzlich vorgeschrieben und dient der Geldwäscheprävention. Du musst nachweisen, dass du wirklich die Person bist, für die du dich ausgibst. Früher bedeutete das immer den Gang zur Post mit dem Personalausweis. Heute geht es bequemer. Die meisten Broker bieten mittlerweile VideoIdent an, bei dem du dich per Videoanruf legitimierst. Das dauert etwa 5 bis 10 Minuten und funktioniert rund um die Uhr.
Beim VideoIdent-Verfahren wirst du mit einem Mitarbeiter des Identifizierungsdienstleisters verbunden. Du zeigst deinen Ausweis in die Kamera, bewegst ihn hin und her, damit die Sicherheitsmerkmale geprüft werden können. Dann musst du noch ein paar Fragen beantworten und eventuell eine TAN eingeben. Das war es schon. Innerhalb weniger Stunden ist die Legitimation abgeschlossen. Die DKB bietet beispielsweise ein besonders komfortables Legitimationsverfahren, das vollständig digital abläuft.
PostIdent ist die klassische Methode. Du druckst den PostIdent-Coupon aus, gehst mit deinem Ausweis zur nächsten Postfiliale und lässt dich dort identifizieren. Der Postmitarbeiter prüft deine Daten und schickt die Unterlagen an die Bank. Das dauert länger, ist aber für manche Menschen angenehmer, weil sie lieber persönlichen Kontakt haben als einen Videoanruf. Beide Verfahren sind gleichwertig und kostenlos.
Mindestalter und Wohnsitz-Anforderungen
Du musst mindestens 18 Jahre alt sein, um ein Depot auf deinen Namen zu eröffnen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Für Minderjährige gibt es Juniordepots oder Minderjährigendepots, die von den Erziehungsberechtigten eröffnet und verwaltet werden. Sobald das Kind 18 wird, geht die volle Kontrolle über das Depot an das Kind über. Das solltest du als Elternteil im Hinterkopf behalten.
Der Wohnsitz muss in Deutschland sein. Die meisten deutschen Broker akzeptieren nur Kunden mit Wohnsitz in Deutschland, manche auch in anderen EU-Ländern. Wenn du im Ausland lebst, wird es komplizierter. Einige internationale Broker wie Interactive Brokers akzeptieren auch Kunden außerhalb der EU, aber dort musst du dich mit ausländischen Steuerfragen herumschlagen. Für deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz in Deutschland ist das alles unkompliziert.
Manche Broker haben zusätzliche Anforderungen. Einige verlangen, dass du bereits ein Girokonto bei der jeweiligen Bank hast. Die Comdirect beispielsweise ist eine Tochter der Commerzbank und bietet das Depot oft in Kombination mit einem Girokonto an. Das ist nicht immer ein Nachteil, denn so hast du alles bei einem Anbieter. Allerdings kann es auch einschränkend sein, wenn du nur ein Depot willst, aber kein neues Girokonto brauchst. Trade Republic und die ING bieten das Depot unabhängig von einem Girokonto an, was flexibler ist.
Schritt-für-Schritt: So eröffnest du dein erstes Depot
Die Depoteröffnung ist heute ein standardisierter Prozess, der bei den meisten Anbietern sehr ähnlich abläuft. Ich erkläre dir jetzt Schritt für Schritt, was du tun musst. Von der Auswahl des Anbieters bis zur ersten Order. Das Ganze dauert maximal 30 Minuten, wenn du alle Unterlagen griffbereit hast. Weniger Zeit als du vermutlich für die Auswahl deiner letzten Streaming-Serie gebraucht hast.
Schritt 1: Den richtigen Anbieter auswählen
Die Wahl des Anbieters hängt von deinen Bedürfnissen ab. Willst du hauptsächlich ETF-Sparpläne besparen? Dann ist ein Neobroker wie Trade Republic interessant, der kostenlose Sparpläne anbietet. Handelst du aktiv mit Aktien? Dann brauchst du einen Broker mit fairen Ordergebühren und schnellen Ausführungszeiten. Legst du Wert auf persönlichen Service? Dann könnte eine Direktbank wie die ING oder DKB besser passen.
Vergleiche die Kosten genau. Nicht nur die Ordergebühren, sondern auch versteckte Kosten wie Börsenplatzgebühren, Spreads oder Fremdwährungsgebühren. Ein scheinbar günstiger Broker kann teuer werden, wenn du oft an ausländischen Börsen handelst. Trade Republic beispielsweise bietet nur den Handel über einen einzigen Handelsplatz an, dafür ist die Gebühr extrem niedrig. Die ING und DKB bieten mehr Handelsplätze, verlangen dafür aber höhere Gebühren.
Auch die Produktpalette ist wichtig. Manche Broker bieten nur Aktien und ETFs an, andere auch Anleihen, Optionsscheine, Zertifikate oder Kryptowährungen. Wenn du weißt, dass du auch in komplexere Produkte investieren willst, solltest du einen Broker mit breitem Angebot wählen. Für Einsteiger reichen Aktien und ETFs aber völlig aus. Ein Haushaltsbuch hilft dir dabei, den Überblick über deine Finanzen zu behalten und zu entscheiden, wie viel du monatlich investieren kannst.
Die Benutzerfreundlichkeit der Plattform ist ebenfalls ein Faktor. Teste die App oder die Website im Vorfeld, wenn möglich. Manche Broker bieten Demokonten an, bei denen du mit Spielgeld handeln kannst. Das ist eine gute Möglichkeit, die Oberfläche kennenzulernen, ohne echtes Geld zu riskieren. Trade Republic hat beispielsweise eine sehr minimalistische App, die für Einsteiger perfekt ist. Die Comdirect bietet deutlich mehr Funktionen, ist dafür aber auch komplexer.
Schritt 2: Online-Formular ausfüllen
Sobald du dich für einen Anbieter entschieden hast, startest du den Online-Antrag. Dieser ist bei den meisten Brokern selbsterklärend. Du gibst deine persönlichen Daten ein: Name, Adresse, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Steuer-ID. Achte darauf, dass alle Angaben korrekt sind, besonders bei der Steuer-ID. Ein Zahlendreher kann später zu Problemen führen.
Dann wirst du nach deiner Erfahrung mit Wertpapieren gefragt. Das ist eine gesetzliche Vorgabe, die sogenannte Appropriateness-Prüfung. Der Broker muss sicherstellen, dass du verstehst, was du tust. Sei ehrlich bei den Angaben. Wenn du Anfänger bist, gib das auch so an. Das schränkt dich nicht ein, sondern sorgt nur dafür, dass dir riskante Produkte wie Hebelzertifikate nicht ohne Warnung angeboten werden. Für normale Aktien und ETFs spielt das keine Rolle.
Bei manchen Brokern musst du auch angeben, ob du in den USA steuerpflichtig bist. Das klingt absurd, ist aber wichtig wegen des FATCA-Gesetzes. Wenn du nicht in den USA lebst oder gearbeitet hast, kannst du diese Frage mit Nein beantworten. Falls doch, musst du zusätzliche Formulare ausfüllen. Das ist nervig, aber unvermeidbar.
Am Ende des Formulars wählst du aus, ob du ein Einzeldepot oder ein Gemeinschaftsdepot eröffnen willst. Ein Einzeldepot gehört nur dir, ein Gemeinschaftsdepot teilst du mit einer anderen Person, meist dem Ehepartner. Bei einem Gemeinschaftsdepot müsst ihr beide unterschreiben und euch legitimieren. Das kann sinnvoll sein, wenn ihr gemeinsam investiert und beide Zugriff haben wollt. Für Einzelpersonen ist das Einzeldepot die richtige Wahl.
Schritt 3: Legitimation durchführen
Nach dem Ausfüllen des Formulars kommt die Legitimation. Wie bereits erwähnt, hast du die Wahl zwischen VideoIdent und PostIdent. Ich empfehle VideoIdent, weil es schneller geht. Du wirst per E-Mail oder in der App aufgefordert, die Legitimation zu starten. Klicke auf den Link, du wirst mit einem Mitarbeiter verbunden.
Halte deinen Personalausweis oder Reisepass bereit. Der Mitarbeiter führt dich durch den Prozess. Du musst den Ausweis in die Kamera halten, von vorne und hinten zeigen, eventuell auch leicht neigen, damit die Hologramme sichtbar werden. Dann musst du eine TAN eingeben, die du per SMS bekommst. Das bestätigt, dass du die Handynummer besitzt, die du angegeben hast. Der gesamte Vorgang dauert etwa 5 bis 10 Minuten.
Bei PostIdent gehst du mit dem ausgedruckten Coupon und deinem Ausweis zur Post. Der Mitarbeiter prüft deine Daten, stempelt den Coupon ab und schickt ihn an die Bank. Das kann ein paar Tage dauern, bis die Unterlagen ankommen. Dafür musst du nicht vor einer Kamera sitzen, was manchen Menschen angenehmer ist. Beide Verfahren sind sicher und akzeptiert.
| Dokument | Wo zu finden | Zwingend erforderlich |
|---|---|---|
| Personalausweis oder Reisepass | Eigene Unterlagen | Ja, für Legitimation |
| Steuer-Identifikationsnummer | Lohnabrechnung, Steuerbescheid oder per Post vom Bundeszentralamt für Steuern | Ja, zur Vermeidung von Doppelbesteuerung |
| Bankverbindung (IBAN) | Kontoauszug oder Online-Banking | Ja, für Verrechnungskonto |
| E-Mail-Adresse | Eigene Angaben | Ja, für Kommunikation und Dokumente |
| Mobiltelefonnummer | Eigene Angaben | Ja, für Legitimation und TAN-Verfahren |
| Wohnsitznachweis | Meldebestätigung, Mietvertrag oder Nebenkostenabrechnung | Optional, nur bei ausländischem Wohnsitz |
| Arbeitgeberbescheinigung | Vom Arbeitgeber ausstellen lassen | Nein, nur für Margin-Konten oder Profi-Status |
| Einkommensnachweise | Lohnabrechnung, Steuerbescheid oder Kontoauszüge | Nein, nur bei höheren Ordervolumina oder Hebelgeschäften |
| Freistellungsauftrag | Wird nach Depoteröffnung erteilt | Empfohlen, kann bis zu 1.000 € Zinsen steuerfrei stellen |
Schritt 4: Erste Einzahlung und Order
Nach der Legitimation wird dein Depot freigeschaltet. Das dauert meist 1 bis 3 Werktage. Du bekommst eine E-Mail mit deinen Zugangsdaten. Logge dich ein und richte gegebenenfalls die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein. Das erhöht die Sicherheit deutlich und ist bei den meisten Brokern mittlerweile Standard.
Jetzt kannst du Geld auf dein Verrechnungskonto überweisen. Nutze dafür eine normale SEPA-Überweisung von deinem Girokonto. Gib als Verwendungszweck deine Depotnummer oder Kundennummer an, damit das Geld korrekt zugeordnet wird. Die Überweisung dauert 1 bis 2 Werktage. Manche Broker bieten auch Sofortüberweisung oder PayPal an, dann ist das Geld schneller da, allerdings fallen teilweise Gebühren an.
Sobald das Geld auf dem Verrechnungskonto ist, kannst du deine erste Order aufgeben. Suche nach dem gewünschten Wertpapier, gib die ISIN oder WKN ein oder nutze die Suchfunktion. Wähle aus, wie viele Stücke oder welchen Betrag du investieren willst. Prüfe die Ordergebühren und den Handelsplatz. Klicke auf Kaufen, bestätige die Order mit einer TAN. Fertig. Du bist jetzt Wertpapierbesitzer.
Wenn du langfristig investieren willst, richte einen ETF-Sparplan ein. Das geht bei den meisten Brokern direkt in der App oder auf der Website. Du legst fest, wie viel Geld du monatlich investieren willst, wählst den ETF aus und gibst an, an welchem Tag des Monats die Ausführung stattfinden soll. Der Sparplan läuft dann automatisch, du musst nichts weiter tun. Das ist die einfachste Form des Vermögensaufbaus.
Kosten beim Depot: Was du wirklich zahlst
Die Kosten beim Depot sind ein entscheidender Faktor für deine langfristige Rendite. Ein Prozentpunkt weniger Kosten pro Jahr kann über 30 Jahre mehrere tausend Euro Unterschied machen. Deswegen ist es wichtig, dass du genau verstehst, welche Kosten anfallen und wie du sie minimieren kannst. Nicht jeder Broker ist für jeden Anlegertyp gleich günstig.
Depotgebühren: Wer verlangt noch Kosten?
Die gute Nachricht zuerst: Die meisten modernen Broker verlangen keine Depotführungsgebühren mehr. Trade Republic, ING, DKB, Comdirect, Scalable Capital und viele andere bieten kostenlose Depots an. Das war früher anders, da haben Banken teilweise 30 € oder mehr pro Jahr verlangt, nur dafür, dass sie deine Wertpapiere verwahren. Diese Zeiten sind vorbei.
Allerdings gibt es Ausnahmen. Einige Filialbanken verlangen immer noch Depotgebühren, besonders wenn du wenig handelst oder nur kleine Beträge im Depot hast. Manche Banken bieten kostenlose Depots nur an, wenn du einen Mindestbestand hältst oder regelmäßig Sparpläne ausführst. Lies die Bedingungen genau. Was heute kostenlos ist, kann morgen kostenpflichtig werden, wenn du die Bedingungen nicht mehr erfüllst.
Bei manchen Brokern gibt es auch versteckte Gebühren für bestimmte Dienstleistungen. Eine Dividendengutschrift kann Geld kosten, genauso wie die Teilnahme an einer Hauptversammlung oder der Versand von Unterlagen per Post. Das sind Kleinbeträge, aber sie summieren sich. Trade Republic beispielsweise verlangt keine solchen Gebühren, während traditionelle Banken oft eine ganze Liste von Kostenpunkten haben.
Auch negative Zinsen auf das Verrechnungskonto können ein Thema sein. Manche Banken verlangen Verwahrentgelte, wenn du größere Summen auf dem Verrechnungskonto liegen lässt. Das ist nicht direkt eine Depotgebühr, kostet dich aber trotzdem Geld. Achte darauf, dass du nur so viel Geld auf dem Verrechnungskonto hältst, wie du kurzfristig für Orders brauchst. Den Rest solltest du investiert haben oder auf einem Tagesgeldkonto parken.
Ordergebühren im Detail verstehen
Die Ordergebühren sind die Kosten, die beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren anfallen. Hier unterscheiden sich die Broker erheblich. Trade Republic verlangt pauschal 1 € pro Order, egal ob du für 100 € oder 10.000 € handelst. Das ist unschlagbar günstig für kleine Orders. Bei größeren Beträgen relativiert sich der Vorteil.
Die ING arbeitet mit einem Modell aus Grundgebühr plus prozentualem Anteil. Du zahlst 4,90 € plus 0,25 % des Ordervolumens, mindestens aber 9,90 € und maximal 59,90 €. Bei einer Order über 1.000 € zahlst du also 4,90 € plus 2,50 € gleich 7,40 €, aber mindestens 9,90 €. Das ist teurer als Trade Republic, dafür hast du mehr Handelsplätze zur Auswahl. Bei sehr großen Orders ab etwa 20.000 € ist die ING günstiger, weil die Gebühr bei 59,90 € gedeckelt ist.
Die DKB hat ein Stufenmodell. Für Orders bis 10.000 € zahlst du 10 €, darüber 25 €. Das ist einfach zu verstehen, aber nicht immer die günstigste Option. Für Orders zwischen 1.000 € und 10.000 € ist die DKB teurer als die ING, für Orders über 20.000 € günstiger. Es kommt also darauf an, wie groß deine typischen Orders sind.
Bei Sparplänen gelten oft andere Konditionen. Viele Broker bieten kostenlose ETF-Sparpläne an, zumindest für eine Auswahl von ETFs. Das ist ideal, wenn du regelmäßig investieren willst. Hier macht die laufende Ersparnis bei den Ordergebühren einen großen Unterschied.
Versteckte Kosten: Spreads und Börsengebühren
Neben den offensichtlichen Ordergebühren gibt es weitere Kosten, die oft übersehen werden. Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. An jeder Börse gibt es Market Maker, die Wertpapiere ankaufen und verkaufen. Sie verdienen an der Differenz zwischen dem Preis, zu dem sie kaufen, und dem Preis, zu dem sie verkaufen. Diese Differenz nennt man Spread.
Bei liquiden Wertpapieren wie DAX-Aktien oder großen ETFs ist der Spread minimal, oft nur ein paar Cent. Bei exotischen Aktien oder wenig gehandelten ETFs kann der Spread deutlich größer sein. Wenn du eine Aktie für 100 € kaufst und der Spread 1 % beträgt, hast du faktisch 101 € gezahlt, weil du nur zu 99 € hättest verkaufen können. Das ist eine versteckte Gebühr, die nicht auf der Rechnung steht, dich aber trotzdem Geld kostet.
Börsenplatzgebühren sind ein weiterer Faktor. Wenn du an Xetra handelst, fallen Börsengebühren an, die zusätzlich zur Orderprovision deines Brokers kommen. Diese sind meist gering, etwa 0,0015 % bei Xetra, aber sie existieren. Manche Broker geben diese Kosten direkt an dich weiter, andere schlagen sie auf die Orderprovision auf. Trade Republic handelt nicht an klassischen Börsen, sondern über einen Market Maker, was die Kosten niedrig hält, dafür aber weniger Transparenz bietet.
| Kostenart | Trade Republic | ING | DKB |
|---|---|---|---|
| Depotführung | 0 € | 0 € | 0 € |
| Ordergebühr (Xetra) | 1 € Flatpreis | 4,90 € + 0,25 % | 10 € (bis 10.000 €) |
| Börsengebühr (Xetra) | In Flatpreis enthalten | 2,90 € | In Ordergebühr enthalten |
| Gesamtkosten 1.000 € Order | 1 € | 10,30 € | 10 € |
| Sparplangebühr | 0 € | 0 € (ab 1 € möglich) | 1,50 € (170 ETFs kostenlos) |
| ETF-Auswahl | 2.600+ | 1.000+ | 1.700+ |
| Mindestanlage Sparplan | 1 € | 1 € | 25 € |
| Auslandsbörsen USA | 1 € Flatpreis | 19,80 € (Xetra-Handelssegment) | 25 € |
| Tagesgeld-Zinsen | 2 % (auf Cash) | Kein integriertes Tagesgeld | 0,10 % (Aktivkunden) |
| Gesamtkosten 10 Orders/Jahr | 10 € | 103 € | 100 € |
Auch Fremdwährungskosten können anfallen, wenn du ausländische Aktien kaufst. Die meisten Broker verlangen einen Aufschlag auf den Wechselkurs, oft 1 % oder mehr. Wenn du eine US-Aktie kaufst, zahlst du nicht nur die Ordergebühr und den Spread, sondern auch den Währungswechsel. Das kann ins Geld gehen, besonders wenn du oft handelst. Achte darauf, ob dein Broker ein Fremdwährungskonto anbietet, auf dem du US-Dollar halten kannst. Dann sparst du dir bei jeder Order den Währungswechsel.
Die besten Depotanbieter im Vergleich
Die Auswahl an Depotanbietern in Deutschland ist groß. Von Neobrokern wie Trade Republic über Direktbanken wie ING und DKB bis hin zu traditionellen Filialbanken ist alles dabei. Ich stelle dir die wichtigsten Anbieter vor und erkläre, für wen sie geeignet sind. Es gibt nicht den einen perfekten Broker, sondern der richtige Anbieter hängt von deinen individuellen Bedürfnissen ab.
Trade Republic: Der Neobroker für Einsteiger
Trade Republic ist der wohl bekannteste Neobroker in Deutschland. Gegründet 2019, hat das Unternehmen schnell über 4 Millionen Kunden gewonnen. Der Grund ist einfach: Die Gebühren sind extrem niedrig und die App ist benutzerfreundlich. Du zahlst pauschal 1 € pro Order, egal ob du 50 € oder 50.000 € investierst. Das ist unschlagbar günstig.
Trade Republic bietet über 2.600 ETFs und etwa 9.000 Aktien an. Für ETF-Sparpläne fallen keine Gebühren an, du kannst ab 1 € monatlich investieren. Das ist ideal für Einsteiger und alle, die mit kleinen Beträgen starten wollen. Zusätzlich gibt es 2 % Zinsen auf das Guthaben im Verrechnungskonto, was mehr ist als bei den meisten Banken. Auch über 50 Kryptowährungen sind handelbar, falls dich das interessiert.
Der Haken: Trade Republic handelt nur über einen einzigen Handelsplatz, die Lang & Schwarz Exchange. Das ist ein außerbörslicher Handel, bei dem ein Market Maker die Preise stellt. Das funktioniert gut bei liquiden Wertpapieren, kann aber bei exotischen Aktien zu schlechteren Kursen führen. Für ETFs und große Aktien ist das kein Problem. Die Handelszeiten sind von 7:30 bis 23:00 Uhr, also länger als an klassischen Börsen.
Ein weiterer Nachteil: Es gibt keinen telefonischen Support. Alles läuft über die App und den Chat. Für technikaffine Menschen ist das kein Problem, für ältere oder weniger digital-versierte Anleger kann es frustrierend sein. Auch komplexe Ordertypen wie Stop-Loss oder Trailing-Stop sind nicht verfügbar. Trade Republic ist für Buy-and-Hold-Anleger gemacht, nicht für aktive Trader. Wenn du in DAX-ETFs investieren willst, ist Trade Republic eine hervorragende Wahl.
ING: Die Direktbank mit Tradition
Die ING ist eine der größten Direktbanken in Deutschland und bietet seit Jahrzehnten Depots an. Das Unternehmen ist solide, reguliert und hat einen ausgezeichneten Ruf. Die Gebührenstruktur ist transparent: 4,90 € plus 0,25 % des Ordervolumens, mindestens 9,90 € und maximal 59,90 €. Das ist nicht die günstigste Option, aber auch nicht teuer.
Die ING bietet über 1.700 ETFs und viele tausend Aktien an. Du kannst an allen deutschen Börsen handeln, plus einigen ausländischen. Das gibt dir mehr Flexibilität als bei Trade Republic. Die Sparpläne sind für über 800 ETFs kostenlos, was ein großer Vorteil ist. Du kannst ab 1 € monatlich sparen, die Ausführung ist gebührenfrei. Für größere Einmalorders sind die Gebühren moderat.
Ein Vergleichstest auf aktiendepot-vergleich.de zeigt, dass die ING besonders für Anleger geeignet ist, die Wert auf Service und Sicherheit legen. Der Kundenservice ist per Telefon und E-Mail erreichbar, die Wartezeiten sind kurz. Auch die Plattform ist übersichtlich und funktioniert sowohl als App als auch im Browser. Für Einsteiger ist die ING eine gute Wahl, weil alles selbsterklärend ist.
Der Nachteil sind die höheren Kosten bei kleineren Orders. Wer nur 100 € investieren will, zahlt 9,90 €, also fast 10 %. Das rechnet sich nicht. Für Orders ab 1.000 € wird es interessanter, weil die prozentuale Gebühr gedeckelt ist. Die ING ist also eher für Anleger geeignet, die größere Summen investieren oder einen Sparplan nutzen.
DKB: Kostenlose Kontoführung und breites Angebot
Die DKB ist eine weitere etablierte Direktbank mit einem soliden Depot-Angebot. Die Depotführung ist kostenlos, die Ordergebühren liegen bei 10 € für Orders bis 10.000 € und 25 € für Orders darüber. Das ist ein einfaches Modell, das gut zu verstehen ist. Für Sparpläne auf über 1.700 ETFs fallen keine Gebühren an, was die DKB für langfristige Anleger attraktiv macht.
Die DKB bietet zusätzlich einen automatisierten Depotwechselservice an, der über die Plattform Qwist läuft. Das bedeutet, du kannst dein bestehendes Depot mit wenigen Klicks zur DKB übertragen, ohne Papierkram. Das ist besonders komfortabel, wenn du bereits ein Depot bei einem anderen Anbieter hast und wechseln willst. Der Übertrag ist kostenlos und dauert etwa 1 bis 2 Wochen.
Ein Vorteil der DKB ist die breite Produktpalette. Neben Aktien und ETFs kannst du auch Anleihen, Fonds, Zertifikate und Optionsscheine handeln. Das ist für fortgeschrittene Anleger interessant, die ihr Portfolio diversifizieren wollen. Auch der Handel an internationalen Börsen ist möglich, allerdings fallen dann zusätzliche Gebühren an.
Der Nachteil ist, dass die DKB für kleine Orders vergleichsweise teuer ist. Wer nur 500 € investieren will, zahlt 10 €, also 2 %. Das ist deutlich mehr als bei Trade Republic. Für größere Orders oder Sparpläne ist die DKB aber eine gute Wahl. Der Kundenservice ist per Telefon und E-Mail erreichbar, die Plattform ist übersichtlich und die Bank ist seit Jahrzehnten am Markt.
Comdirect: Premium-Service für aktive Trader
Die Comdirect ist eine Tochter der Commerzbank und richtet sich eher an erfahrene Anleger. Die Gebühren sind höher als bei den Neobrokern, dafür bekommst du deutlich mehr Funktionen und Service. Die Orderprovision liegt bei 4,90 € plus 0,25 % des Ordervolumens, mindestens aber 9,90 €. Für Neukunden gibt es oft Aktionen mit reduzierten Gebühren.
Die Comdirect bietet Zugang zu praktisch allen wichtigen Börsen weltweit, von Xetra über die NYSE bis zur Hong Kong Stock Exchange. Du kannst komplexe Ordertypen nutzen, Charts analysieren und hast Zugriff auf umfangreiche Research-Tools. Das ist ideal für aktive Trader, die mehrmals pro Woche handeln und ihre Strategie optimieren wollen.
Ein besonderes Feature ist das kostenlose Girokonto, das du bei der Depoteröffnung automatisch bekommst. Das Girokonto ist gleichzeitig das Verrechnungskonto, was die Verwaltung vereinfacht. Die Comdirect bietet auch eine gute Community-Funktion, in der du dich mit anderen Anlegern austauschen kannst. Für Einsteiger mag das überfordernd sein, für aktive Trader ist es ein großer Mehrwert.
Der Nachteil sind die höheren Kosten. Für Buy-and-Hold-Anleger, die nur einmal im Monat einen Sparplan ausführen, ist die Comdirect zu teuer. Auch die Plattform ist komplexer als bei Trade Republic oder der ING. Es gibt viele Funktionen, die man als Einsteiger nicht braucht. Die Comdirect ist die richtige Wahl für Leute, die ernsthaft traden wollen und bereit sind, dafür höhere Gebühren zu zahlen.
Welcher Anbieter passt zu dir?
Die Wahl des richtigen Brokers hängt von deiner Strategie ab. Wenn du ein passiver Anleger bist, der einfach einen ETF-Sparplan auf den S&P 500 laufen lassen will, ist Trade Republic perfekt. Niedrige Kosten, einfache Bedienung, fertig. Wenn du etwas mehr Flexibilität willst und bereit bist, dafür zu zahlen, ist die ING oder DKB besser.
Für aktive Trader, die mehrmals pro Woche handeln und Zugang zu vielen Börsen brauchen, ist die Comdirect die richtige Wahl. Der höhere Service und die besseren Tools rechtfertigen die höheren Gebühren. Wenn du dir unsicher bist, schau dir die aktuellen Broker-Rankings an, die regelmäßig aktualisiert werden und verschiedene Nutzertypen berücksichtigen.
Wichtig ist, dass du nicht ständig den Broker wechselst. Jeder Wechsel kostet Zeit und manchmal auch Geld, weil du Wertpapiere übertragen musst. Such dir einen Broker aus, der zu deiner Strategie passt, und bleib dabei. Die Unterschiede in den Kosten sind weniger wichtig als die Tatsache, dass du überhaupt anfängst zu investieren. Der beste Broker ist der, mit dem du dich wohlfühlst und den du tatsächlich nutzt.
→ Trade Republic (0 € Depotgebühr, 1 € pro Order, über 2.000 ETF-Sparpläne kostenlos)
Fortgeschritten + Ausgewogen + ETFs und Aktien:
→ ING (0 € Depotgebühr, ab 2,90 € pro Order, über 1.000 ETF-Sparpläne kostenlos)
Fortgeschritten + Ausgewogen + Breites Spektrum:
→ DKB (0 € Depotgebühr, ab 10 € pro Order, über 800 ETF-Sparpläne ab 0,49 €)
Profi + Breites Spektrum + Viele Börsen:
→ Comdirect oder Consorsbank (umfangreiches Angebot, alle deutschen und viele internationale Börsen)
Depotwechsel: Anbieter wechseln ohne Stress
Ein Depotwechsel klingt kompliziert, ist aber in der Praxis einfach und sicher. Vielleicht hast du bei einer Filialbank ein Depot eröffnet und zahlst hohe Gebühren. Oder du bist mit dem Service deines Brokers unzufrieden. Ein Wechsel kann sich lohnen, besonders wenn du langfristig investiert bist. Die Ersparnis bei den Gebühren summiert sich über die Jahre.
Warum sich ein Depotwechsel lohnt
Der Hauptgrund für einen Depotwechsel sind die Kosten. Wenn du jährlich 200 € an Depotgebühren und Orderprovisionen sparst, sind das über 20 Jahre 4.000 €. Plus entgangene Rendite, weil das Geld nicht investiert war. Das ist ein echtes Argument. Viele Anleger bleiben aus Bequemlichkeit bei ihrem alten Anbieter, obwohl sie woanders deutlich günstiger fahren würden.
Ein weiterer Grund kann der Service sein. Manche Broker haben schlechten Kundenservice, lange Wartezeiten oder unübersichtliche Plattformen. Wenn du ständig frustriert bist, lohnt sich ein Wechsel allein schon für die Lebensqualität. Investieren soll nicht nerven, sondern Spaß machen. Ein guter Broker macht den Unterschied.
Auch die Produktpalette kann ein Grund sein. Vielleicht willst du jetzt in ETFs investieren, aber dein alter Broker bietet keine kostenlosen Sparpläne an. Oder du willst international handeln, aber dein Broker hat nur deutsche Börsen im Angebot. Ein Wechsel gibt dir die Flexibilität, die du brauchst. Die meisten Anleger unterschätzen, wie viel Geld sie durch einen cleveren Wechsel sparen können.
So läuft der Übertrag ab
Der Depotwechsel ist in Deutschland gesetzlich geregelt und kostenlos. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Banken keine Gebühren für den Übertrag von Wertpapieren verlangen dürfen. Du musst also nichts zahlen, weder an die alte noch an die neue Bank. Das gilt für inländische Überträge. Bei Überträgen aus dem Ausland können Kosten anfallen, das ist aber selten der Fall.
Der Ablauf ist standardisiert. Du eröffnest zuerst ein Depot beim neuen Anbieter. Dann füllst du ein Übertragungsformular aus, das du meist direkt auf der Website des neuen Brokers findest. Dort gibst du an, welche Wertpapiere du übertragen willst. Du kannst entweder das gesamte Depot übertragen oder nur einzelne Positionen. Das Formular schickst du an den neuen Broker, der kümmert sich um den Rest.
Die alte Bank wird informiert und überträgt die Wertpapiere. Das dauert in der Regel 1 bis 2 Wochen, kann aber auch länger dauern, wenn es Probleme gibt. Während des Übertrags kannst du nicht mit den Wertpapieren handeln, sie sind sozusagen eingefroren. Plane den Wechsel also nicht gerade in einer Phase, in der du aktiv handeln willst. Der Depotwechsel-Leitfaden von Biallo erklärt den Prozess detailliert.
Nach dem Übertrag prüfe, ob alle Wertpapiere korrekt angekommen sind. Manchmal gibt es Fehler, etwa wenn die alte Bank falsche Anschaffungsdaten übermittelt hat. Das ist wichtig für die Steuer, weil die Abgeltungssteuer beim Verkauf auf Basis der Anschaffungskosten berechnet wird. Wenn die Daten falsch sind, musst du das in der Steuererklärung korrigieren. Das ist nervig, aber machbar.
Verlusttöpfe und steuerliche Aspekte
Beim Depotwechsel gibt es steuerliche Besonderheiten, die du kennen solltest. Jeder Broker führt einen Verlusttopf, in dem realisierte Verluste gesammelt werden. Diese Verluste kannst du mit Gewinnen verrechnen, um Steuern zu sparen. Wenn du den Broker wechselst, wird dieser Verlusttopf nicht automatisch übertragen. Du musst ihn manuell beantragen.
Der Antrag muss bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres gestellt werden, damit der Verlusttopf noch im selben Jahr übertragen wird. Verpasst du die Frist, geht der Verlusttopf nicht verloren, aber du kannst ihn erst in der Steuererklärung geltend machen. Das ist komplizierter als eine direkte Verrechnung beim Broker. Stelle den Antrag also rechtzeitig, wenn du Verluste im Topf hast.
Auch die Anschaffungsdaten sind wichtig. Beim Übertrag müssen die alte und die neue Bank die Anschaffungskosten und das Anschaffungsdatum übermitteln. Das ist relevant für die Besteuerung beim späteren Verkauf. Wenn Wertpapiere vor 2009 gekauft wurden, sind sie steuerfrei, weil damals noch die Spekulationsfrist galt. Solche Altbestände müssen korrekt markiert werden. Prüfe nach dem Übertrag, ob alle Daten stimmen.
Bruchstücke von Wertpapieren können manchmal nicht übertragen werden. Manche Broker verkaufen sie automatisch und überweisen den Erlös. Andere lassen sie einfach liegen. Wenn du Bruchstücke hast, kläre vorher, wie dein alter und neuer Broker damit umgehen. Das sind meist nur kleine Beträge, aber es ist ärgerlich, wenn Geld verloren geht, weil niemand sich darum kümmert.
Typische Fehler bei der Depoteröffnung vermeiden
Die Depoteröffnung ist nicht kompliziert, trotzdem machen viele Anleger Fehler, die vermeidbar wären. Ich sehe immer wieder die gleichen Probleme. Hier sind die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest. Manche kosten dich Geld, andere nur Nerven, aber alle sind unnötig.
Fehler 1 bis 3: Anbieter, Kosten, Produkte
Fehler Nummer eins ist, den Anbieter nicht zu vergleichen. Viele Menschen eröffnen einfach ein Depot bei ihrer Hausbank, weil es bequem ist. Das kann teuer werden. Filialbanken verlangen oft hohe Gebühren, die du bei einem Online-Broker sparen würdest. Nimm dir die Zeit, mindestens drei Anbieter zu vergleichen. Die Unterschiede können hunderte Euro pro Jahr ausmachen.
Fehler Nummer zwei sind versteckte Kosten. Du schaust nur auf die Ordergebühren, aber vergisst die Börsenplatzgebühren, Spreads oder Fremdwährungskosten. Manche Broker werben mit kostenlosen Sparplänen, verlangen aber hohe Gebühren für Einzelorders. Lies das Preis- und Leistungsverzeichnis genau. Es ist trocken, aber wichtig. Wenn du dir unsicher bist, frag den Kundenservice.
Fehler Nummer drei ist, mit den falschen Produkten zu starten. Viele Einsteiger kaufen aktiv gemanagte Fonds mit hohen Gebühren, weil ihr Bankberater sie dazu drängt. Diese Fonds haben Ausgabeaufschläge von 5 % und mehr, plus laufende Kosten von 1,5 % pro Jahr. Das frisst deine Rendite auf. Starte lieber mit kostengünstigen ETFs. Die sind breit gestreut, transparent und günstig. Du brauchst keinen aktiven Fonds, um erfolgreich zu sein.
Fehler 4 bis 5: Emotionen und fehlende Strategie
Fehler Nummer vier ist, ohne Strategie zu investieren. Du eröffnest ein Depot, kaufst irgendwelche Aktien, die gerade im Trend sind, und hoffst auf schnelle Gewinne. Das ist Glücksspiel, kein Investieren. Bevor du auch nur einen Euro investierst, solltest du dir überlegen, was deine Ziele sind. Willst du fürs Alter vorsorgen? Dann ist ein ETF-Sparplan sinnvoll. Willst du kurzfristig spekulieren? Dann brauchst du eine andere Strategie. Ohne Plan läufst du orientierungslos durch die Märkte.
Fehler Nummer fünf sind Emotionen. Die Börse schwankt, das ist normal. Trotzdem geraten viele Anleger in Panik, wenn ihr Depot mal 10 % im Minus ist. Sie verkaufen alles und realisieren Verluste. Oder sie werden gierig, wenn die Kurse steigen, und kaufen auf dem Höhepunkt. Beides ist falsch. Investieren erfordert Disziplin und einen langen Atem. Wenn du weißt, dass du emotional reagierst, richte einen Sparplan ein und schau nicht täglich ins Depot.
Ein zusätzlicher Fehler ist, zu wenig zu diversifizieren. Manche Anleger stecken ihr gesamtes Geld in eine einzige Aktie, weil sie an das Unternehmen glauben. Das ist hochriskant. Wenn die Aktie crasht, ist dein Geld weg. Streue dein Risiko über viele Unternehmen, Branchen und Regionen. ETFs machen das automatisch. Du musst nicht 50 Einzelaktien kaufen, um diversifiziert zu sein. Ein ETF auf den MSCI World reicht für den Anfang.
Ein letzter Fehler ist, die Altersvorsorge zu ignorieren. Viele junge Menschen denken, die Rente ist noch so weit weg, das hat Zeit. Falsch. Je früher du anfängst, desto mehr profitierst du vom Zinseszinseffekt. Ein Rentenlückenrechner zeigt dir, wie groß die Lücke zwischen deiner gesetzlichen Rente und deinem tatsächlichen Bedarf ist. Erschreck nicht, wenn du siehst, wie viel du sparen musst. Aber fang an, auch wenn es nur 50 € im Monat sind. Das ist besser als nichts.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ein Depot zu eröffnen ist der erste Schritt zum langfristigen Vermögensaufbau. Aber es ist nur ein Schritt. Die richtige Strategie, die Auswahl der passenden Produkte und eine sinnvolle Diversifikation sind genauso wichtig. Über die Jahre habe ich viele Menschen dabei begleitet, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Die meisten machen am Anfang Fehler, weil sie unsicher sind oder falsch beraten wurden.
Ich biete dir eine unabhängige und ehrliche Beratung an. Keine Provisionen, keine versteckten Interessen, nur deine Ziele im Fokus. Gemeinsam analysieren wir deine aktuelle Situation, definieren realistische Ziele und entwickeln einen Plan, der zu deinem Leben passt. Dabei schauen wir nicht nur auf das Depot, sondern auf dein gesamtes Vermögen. Wie ist deine Altersvorsorge aufgestellt? Macht deine Immobilienstrategie Sinn? Sind deine Versicherungen optimal?
Im kostenlosen Erstgespräch nehmen wir uns Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Du erfährst, wo du stehst, welche Risiken existieren und welche Chancen du vielleicht übersiehst. Ich arbeite produktneutral und unabhängig. Es geht nicht darum, dir etwas zu verkaufen, sondern die beste Lösung für deine Situation zu finden.


