Beispiel: Martin, 67, Rentner, 350.000 € ETF-Portfolio. Gewünschtes Zusatzeinkommen: 1.500 € monatlich (18.000 € jährlich). Erwartete Rendite: 5 % p.a. nach Inflation.
Ergebnis: Benötigtes Startkapital für 25 Jahre liegt bei 254.000 € vor Steuern. Martin hat 350.000 €, kann sich also 25 Jahre lang 1.500 € monatlich auszahlen und hat am Ende noch 96.000 € übrig. Bei 4 % Entnahmerate (1.167 € monatlich) würde sein Kapital theoretisch ewig halten.
Dein Vermögen ist anders. Berechne jetzt, wie lange es reicht.
Was dein Ergebnis bedeutet
Dein Vermögen hält länger als deine Lebenserwartung
Beispiel: 400.000 €, 1.200 € monatlicher Bedarf, Rechner-Ergebnis: Geld reicht 40 Jahre oder länger.
Du bist überversorgt. Du könntest die Entnahme erhöhen, von 1.200 € auf 1.800 bis 2.000 € monatlich. Du könntest jetzt schon Schenkungen an Kinder oder Enkel machen und Freibeträge nutzen. Du könntest mehr für Reisen, Hobbys und Erlebnisse ausgeben.
Sei nicht zu sparsam. Du hast dein Leben lang gearbeitet und gespart. Wenn dein Kapital länger hält als deine statistische Lebenserwartung plus 10 Jahre, entnimmst du zu wenig.
Dein Vermögen reicht genau bis zur statistischen Lebenserwartung
Beispiel: 67 Jahre, 300.000 €, 1.500 € monatlicher Bedarf, Rechner-Ergebnis: Geld reicht 22 Jahre (bis 89).
Du bist gut aufgestellt, solltest aber vorsichtig planen. Drei Risiken gibt es hier.
- Erstens das Langlebigkeitsrisiko: Die Wahrscheinlichkeit, 95 Jahre alt zu werden, liegt bei ca. 15 % für Männer und 25 % für Frauen.
- Zweitens das Sequence-of-Returns-Risiko: Schlechte Börsenjahre zu Beginn der Entnahme können das Kapital schneller aufbrauchen. Ein 30-%-Crash in den ersten 3 Jahren kann die Laufzeit von 22 auf 18 Jahre verkürzen.
- Drittens unvorhergesehene Kosten: Ein Pflegeheim kostet 3.000 bis 5.000 € monatlich und wird nur teilweise durch die Pflegeversicherung gedeckt.
Vier Handlungsoptionen stehen dir zur Verfügung.
- Sicherheitspuffer einbauen: Plane bis 95 statt bis 89. Das reduziert die Entnahme auf ca. 1.200 € monatlich.
- Eine teilweise Renten-Absicherung ist möglich: Manche Rentner schichten 100.000 € in eine Sofortrente um und erhalten dafür garantiert 400 bis 500 € monatlich lebenslang.
- Flexible Entnahme: In guten Börsenjahren mit plus 15 % Rendite mehr entnehmen, in schlechten Jahren mit minus 10 % weniger.
- Die Bucket-Strategie sichert 2 bis 3 Jahre Lebenshaltungskosten in Cash (36.000 bis 54.000 €) und schützt vor Zwangsverkäufen im Crash.
Dein Vermögen ist zu früh aufgebraucht
Beispiel: 67 Jahre, 200.000 €, 2.000 € monatlicher Bedarf, Rechner-Ergebnis: Geld reicht nur 12 Jahre (bis 79).
Das ist problematisch. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Männern mit 67 bei ca. 83 Jahren (16 Jahre Ruhestand) und bei Frauen mit 67 bei ca. 86 Jahren (19 Jahre Ruhestand). Du hast eine Versorgungslücke von 4 bis 7 Jahren.
Vier Optionen gibt es.
Option 1: Entnahme drastisch reduzieren. Statt 2.000 € nur 1.250 € monatlich entnehmen. Dann reicht das Geld 20 Jahre (bis 87). Die fehlenden 750 € müssen anderweitig kompensiert werden. Realistischer Check: Kannst du mit 750 € weniger pro Monat leben, ohne bei Miete und Nebenkosten einzusparen?
Option 2: Zusatzeinkommen aufbauen. Ein Teilzeit-Job mit 15 bis 20 Stunden wöchentlich bringt 800 bis 1.200 € netto, ist aber realistisch nur bis etwa 72 bis 75 Jahre durchhaltbar. Falls eine Immobilie vorhanden ist, kann eine Einliegerwohnung oder Untermiete 400 bis 800 € monatlich bringen.
Option 3: Länger arbeiten (falls noch nicht in Rente). 2 Jahre länger arbeiten bis 69 bedeutet 48.000 € mehr angespart und verkürzt den Entnahmezeitraum. Das kann die Versorgungslücke vollständig schließen.
Option 4: Teilverkauf der Immobilie. Leibrente bedeutet das Haus verkaufen, aber lebenslang darin wohnen bleiben. Beim Verkauf auf Nießbrauchbasis gibt es eine sofortige Einmalzahlung plus Wohnrecht. Die Umkehrhypothek ermöglicht monatliche Auszahlungen gegen den Immobilienwert.
Das passiert häufiger als gedacht. Viele Rentner überschätzen ihre Rendite (erwarten 7 %, bekommen 4 %), unterschätzen ihre Lebenserwartung und vergessen die Inflation bei der Planung. Bei einer Versorgungslücke dieser Größe brauchst du professionelles Finanzcoaching.
Die 4-Prozent-Regel: Dein Benchmark
Entnimm jährlich 4 % deines Startkapitals. Dann hält dein Geld statistisch 30 Jahre oder länger.
Die Rechnung: Startkapital 300.000 €, 4 % davon sind 12.000 € jährlich (1.000 € monatlich), bei angenommener Rendite von 5 % p.a. nach Inflation. Ergebnis: Das Kapital hält theoretisch ewig, weil 5 % Rendite über 4 % Entnahme liegen.
Woher kommt die Regel? Aus der Trinity Study von 1998, einer Analyse von 75 Jahren US-Börsendaten. Ergebnis: Bei 4 % Entnahme überlebte das Portfolio in 95 % aller Fälle über 30 Jahre.
In der Praxis ist die 4-Prozent-Regel konservativ. Mit 5 bis 6 % Rendite, die bei einem ETF-Portfolio realistisch sind, kann man auch 4,5 bis 5 % entnehmen, ohne dass das Kapital in 30 Jahren aufgebraucht ist.
Ein wichtiger Vorbehalt: Wenn du in den ersten 5 Jahren der Entnahme einen Börsencrash erlebst, kann dein Kapital trotz 4 % Entnahme schneller aufgebraucht sein. Lösung: dynamische Entnahme.
Vier Anpassungsstufen der Regel:
- 3 % Entnahme bedeutet maximale Sicherheit und das Kapital wächst weiter.
- 4 % ist der Standard mit sehr hoher Sicherheit.
- 5 % empfiehlt sich, wenn du zusätzliches Einkommen aus der gesetzlichen Rente hast.
- 6 % und mehr sind nur bei einem kurzen Entnahmezeitraum von 10 bis 15 Jahren sinnvoll.
So funktioniert der Entnahmerechner
Mit dem Rechner kalkulierst du, wie lange dein Kapital reicht oder welche Anfangssumme du benötigst. Er berücksichtigt nicht nur deine Entnahmen, sondern auch die erwirtschaftete Rendite und die fälligen Steuern.
Du gibst vier Werte ein:
- die gewünschte jährliche Entnahme,
- die erwartete jährliche Rendite deines Portfolios,
- den Kapitalertragssteuersatz (in Deutschland 26,375 % inklusive Soli, Stand 2025),
- sowie den Entnahmezeitraum in Jahren. Der Rechner zeigt dir dann, wie viel Startkapital du benötigst oder wie lange dein vorhandenes Kapital ausreicht.
Eine zu hohe Entnahme kann dazu führen, dass das Kapital vorzeitig aufgebraucht ist, besonders in Zeiten niedriger Renditen oder hoher Inflation. Eine zu niedrige Entnahme bedeutet, dass du dir nicht den Lebensstandard leistest, den du dir verdient hast.

Sichere Entnahmerate und Langlebigkeitsrisiko
Die sichere Entnahmerate liegt bei 3 bis 4 % des Startkapitals. Sie berechnet, wie viel du jährlich entnehmen kannst, ohne dass dein Kapital aufgebraucht wird, auch über sehr lange Zeiträume. Der Rechner hilft dir, diese Balance zu finden und das Langlebigkeitsrisiko zu minimieren.
Dein Vermögen arbeitet weiter
Auch im Ruhestand sollte dein Kapital weiter für dich arbeiten. Eine kluge Anlagestrategie mit erwarteter Jahresrendite aus ETFs gleicht die Inflation aus und erhält dein Vermögen möglichst lange.

Häufige Fragen zum Entnahmerechner (FAQ)
Noch offene Fragen zur Entnahmestrategie im Ruhestand? Hier findest du die wichtigsten Antworten.
