Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2026
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Wer für sein Kind früh anfängt, hat den stärksten Hebel auf seiner Seite. Ein Kind, das ab der Geburt regelmäßig bespart wird, kann bis zum 18. Geburtstag bei einer monatlichen Rate von 100 € ein Vermögen von über 40.000 € aufgebaut haben. Das schafft kein Sparbuch und keine klassische Kinderversicherung. Das schafft ein gut geführtes Junior-Depot mit einem breit gestreuten ETF, der einfach laufen gelassen wird.
Dieser Guide erklärt dir alles, was du wissen musst: Was ein Junior-Depot ist und wie es sich vom normalen Depot unterscheidet, wem das Geld wirklich gehört, welche Steuervorteile du nutzen kannst und wie du Großeltern oder Paten einbindest. Am Ende weißt du, welcher ETF sich eignet und wie du das Depot Schritt für Schritt eröffnest.
Was ist ein Junior-Depot und wie unterscheidet es sich von einem normalen Depot?
Ein Junior-Depot ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen eines minderjährigen Kindes geführt wird. Anders als beim klassischen Depot sind hier nicht die Eltern die Depotinhaber, sondern das Kind selbst. Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht aber steuerlich und rechtlich einen erheblichen Unterschied. Denn das Kind bringt seine eigenen steuerlichen Freibeträge mit in das Depot.
Bei einem normalen Depot läuft alles über den Kontoinhaber: Gewinne, Dividenden, Steuerpflichten. Beim Junior-Depot dagegen ist das Kind der eigenständige Steuerpflichtige. Es hat seinen eigenen Sparerpauschbetrag, seinen eigenen Grundfreibetrag und kann mit der richtigen Planung Kapitalerträge vollständig steuerfrei einfahren. Das ist ein Vorteil, den ein Depot auf den Namen der Eltern schlicht nicht bieten kann.
Eine häufige Verwechslung ist die Abgrenzung zwischen einem echten Junior-Depot und einem Depot auf den eigenen Namen, das man für das Kind führt. Beides ist möglich, aber nur das echte Junior-Depot auf den Namen des Kindes nutzt die steuerlichen Freibeträge des Kindes. Ein selbst geführtes Eltern-Depot für das Kind hat diesen Vorteil nicht. Wer also die volle Steueroptimierung will, kommt am echten Junior-Depot nicht vorbei.
Viele Direktbanken und Neobroker bieten Junior-Depots zu günstigen Konditionen an, oft mit kostenloser Depotführung und Sparplänen ab 1 €. Das macht das Junior-Depot noch attraktiver, weil niedrige Kosten die Rendite über 18 Jahre erheblich schonen. Falls du noch nicht weißt, was ein ETF ist und wie er funktioniert, empfehle ich dir, dort zuerst einzusteigen. Danach ergibt dieser Guide noch mehr Sinn.
Der Zinseszinseffekt ist der eigentliche Grund, warum ein Junior-Depot so wirkungsvoll ist. Wer früh anfängt, lässt Erträge auf Erträge wachsen, Jahr für Jahr, ohne daran etwas tun zu müssen. Wer dagegen erst mit dem 10. Geburtstag des Kindes beginnt, hat denselben monatlichen Aufwand, aber einen deutlich schmaleren Zeithorizont. Das Ergebnis nach 18 Jahren fällt entsprechend anders aus. Früh starten ist hier keine Floskel, sondern Mathematik.
Ein weiterer Aspekt, den viele unterschätzen: das steuerliche Bild wird über die Jahre komplexer. Kapitalerträge im Junior-Depot laufen separat von den Einkünften der Eltern. Es gibt keine Verrechnung, keine gemeinsame Steuerlast. Das Kind ist steuerrechtlich eigenständig, auch wenn es noch zur Schule geht. Das ist gut so, weil das Kind damit seine eigenen Freibeträge vollständig nutzen kann, ohne dass das Elterneinkommen irgendeinen Einfluss hat.
Wem gehört das Geld auf dem Junior-Depot?
Die Antwort ist eindeutig: Das Geld gehört dem Kind. Nicht den Eltern, nicht den Großeltern, nicht dem Familienverband. Sobald Geld in ein Junior-Depot eingezahlt wird, ist es rechtlich das Eigentum des Kindes. Die Eltern verwalten das Depot bis zum 18. Geburtstag treuhänderisch, treffen alle Anlageentscheidungen und führen den Sparplan, aber das Geld gehört nicht ihnen.
Das klingt selbstverständlich, hat aber eine wichtige Konsequenz: Eine Rückübertragung auf die Eltern ist kaum möglich. Wer das Geld im Notfall braucht, kommt nicht einfach dran. Das Junior-Depot ist kein Sparbuch, das man im Zweifel auflöst. Wie steuertipps.de erläutert, wird eine Rückübertragung auf die Eltern steuerlich als Schenkung gewertet und ist rechtlich kaum durchzusetzen. Wer also auch als Elternteil finanzielle Unsicherheiten kennt, sollte vorher sehr genau überlegen, wie viel er ins Junior-Depot steckt.
Was passiert bei einer Scheidung? Beide sorgeberechtigten Elternteile haben weiterhin Zugriff auf das Depot. Sie können Anteile kaufen, verkaufen und Sparpläne ändern. In der Praxis bedeutet das: Eltern, die sich trennen, müssen sich über das Junior-Depot abstimmen. Das kann mühsam sein. Eine formlose Verzichtserklärung ist möglich, aber nur auf freiwilliger Basis. Das ist ein Aspekt, den viele beim Depot-Eröffnen nicht auf dem Schirm haben.
Mit 18 bekommt das Kind vollen, unkontrollierten Zugriff auf das Depot. Keine Einschränkungen, keine Genehmigungen. Wer dann überrascht ist, dass sein Kind das Geld sofort verkonsumiert, hätte früher mit der Finanzerziehung anfangen sollen. Das klingt hart, ist aber so. Deshalb ist das Depot nicht nur ein Sparinstrument, sondern auch ein Lernmittel: Kinder, die frühzeitig einbezogen werden, gehen später verantwortungsvoller mit dem Vermögen um.
Mein Rat ist simpel: Überweise nur Geld ins Junior-Depot, das du wirklich dauerhaft für das Kind bestimmt hast. Kein Geld, das du vielleicht noch brauchst. Kein Geld, das eigentlich für die eigene Altersvorsorge gedacht war. Das Junior-Depot ist ein Geschenk an das Kind, kein Umweg für eigene Ziele.
Ein Punkt, der bei der Diskussion über Junior-Depots oft fehlt: die Finanzerziehung. Das beste Depot nützt wenig, wenn das Kind mit 18 keine Ahnung hat, was es da geerbt hat. Sprich frühzeitig mit deinem Kind über das Depot, zeig ihm, wie der Sparplan läuft, was ETFs sind und warum du das Geld nicht auf dem Sparbuch lässt. Kinder, die schon mit 14 oder 15 Jahren verstehen, was ein Aktienmarkt ist und warum Schwankungen normal sind, werden mit 18 deutlich besser mit dem Vermögen umgehen. Das ist mindestens genauso wertvoll wie das Geld selbst.
Junior-Depot Steuern: Diese Freibeträge musst du kennen
Steuerlich ist das Junior-Depot eines der attraktivsten Instrumente, die Eltern in Deutschland haben. Kaum jemand weiß jedoch, wie viel tatsächlich steuerfrei bleibt, wenn man alle Freibeträge richtig kombiniert. Wer die folgende Mechanik versteht, kann Kapitalerträge bis weit über 13.000 € pro Jahr vollständig steuerfrei halten. Und wer sie nicht versteht, zahlt Steuern, die er nicht zahlen müsste.
Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag: Die steuerfreie Basis
Jedes Kind ist ein eigenständiger Steuerpflichtiger. Das bedeutet: Es hat seinen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr (Stand 2026). Kapitalerträge bis zu diesem Betrag bleiben automatisch steuerfrei, wenn ein Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank gestellt wurde. Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank automatisch Abgeltungssteuer ein, auch wenn die Erträge unter dem Freibetrag liegen. Das ist ein unnötiger Fehler, den man leicht vermeiden kann.
Dazu kommt der Grundfreibetrag. Er beträgt im Jahr 2026 genau 12.348 €. Dieser Betrag schützt das zu versteuernde Einkommen des Kindes vor der Einkommensteuer. Da die meisten Kinder kein eigenes Erwerbseinkommen haben, steht dieser Freibetrag vollständig für Kapitalerträge zur Verfügung, wenn man zusätzlich eine NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragt. In der Kombination aus Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag ergibt sich ein steuerfreier Spielraum von bis zu 13.348 € pro Jahr. Das sind Zahlen, die sich lohnen.
Wichtig zu verstehen: Sparerpauschbetrag und Grundfreibetrag ergänzen sich, schließen sich aber nicht aus. Ohne NV-Bescheinigung ist nur der Sparerpauschbetrag von 1.000 € durch den Freistellungsauftrag abgedeckt. Mit NV-Bescheinigung kommt der Grundfreibetrag hinzu. Die Kombination aus beiden ist der Schlüssel zur maximalen Steueroptimierung im Junior-Depot.
Bei Aktien-ETFs gibt es außerdem die Teilfreistellung: 30 % der Erträge aus Aktien-ETFs sind bereits steuerfrei, unabhängig von den anderen Freibeträgen. Das senkt die effektiv steuerpflichtige Ertragsbasis. Wer einen thesaurierenden Aktien-ETF bespart, profitiert von dieser Regelung auch bei der Vorabpauschale, die jährlich auf einen fiktiven Mindestertrag berechnet wird. Bei kleinen bis mittelgroßen Depots spielt die Vorabpauschale kaum eine Rolle, solange der Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist.
Ein häufiges Missverständnis: Viele Eltern glauben, der Sparerpauschbetrag werde automatisch gewährt. Das ist falsch. Ohne einen aktiv gestellten Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank zieht die Bank automatisch Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % ab, plus Solidaritätszuschlag. Das Geld landet beim Finanzamt, nicht im Depot deines Kindes. Wer das nicht möchte, muss aktiv handeln. Einen Freistellungsauftrag zu stellen, dauert wenige Minuten und ist für alle Junior-Depots zwingend empfohlen.
| Freibetrag | Betrag (2026) | Voraussetzung | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Sparerpauschbetrag | 1.000 € / Jahr | Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank | Kapitalerträge bis 1.000 € automatisch steuerfrei |
| Grundfreibetrag | 12.348 € / Jahr | NV-Bescheinigung beantragen (ELSTER, Formular NV 1 A) | Gesamteinkommen des Kindes bis 12.348 € steuerfrei |
| Sonderausgabenpauschbetrag | 36 € / Jahr | Wird automatisch mit NV-Bescheinigung berücksichtigt | Zusätzlicher Puffer bei der Steuerberechnung |
| Kombiniert (mit NV-Bescheinigung) | bis 13.348 € / Jahr | Freistellungsauftrag + NV-Bescheinigung | Maximale Steuerfreiheit: fast kein Junior-Depot erreicht diese Grenze |
| Teilfreistellung Aktien-ETFs | 30 % der Erträge | Investition in Aktien-ETF mit mind. 51 % Aktienquote | Reduziert die steuerpflichtige Bemessungsgrundlage automatisch |
Die NV-Bescheinigung: So holst du den vollen Steuervorteil heraus
Die Nichtveranlagungsbescheinigung, kurz NV-Bescheinigung, ist ein Dokument vom Finanzamt. Es weist die Bank an, keine Abgeltungssteuer einzubehalten, auch wenn die Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 € übersteigen. Voraussetzung ist, dass das Kind kein nennenswertes weiteres Einkommen hat. Für die meisten Kinder unter 18 ist das problemlos erfüllbar. Weitere Details zur steuerlichen Optimierung im Junior-Depot findest du bei juniordepot-einfach.de.
Beantragen kannst du die NV-Bescheinigung bequem online über ELSTER, das offizielle Steuerportal der deutschen Finanzverwaltung. Das zuständige Formular heißt NV 1 A. Nach Ausstellung schickst du die Bescheinigung direkt an deine depotführende Bank. Ab diesem Moment zieht die Bank keine Abgeltungssteuer mehr ein, bis der steuerfreie Spielraum des Kindes ausgeschöpft ist. Die Bescheinigung ist drei Kalenderjahre gültig und muss danach neu beantragt werden.
Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung ergänzen sich und sollten immer kombiniert werden. Der Freistellungsauftrag deckt den Sparerpauschbetrag ab, die NV-Bescheinigung den Grundfreibetrag. Wer nur eines von beiden einreicht, lässt Steuervorteile liegen. Ein häufiger Fehler ist es, den Freistellungsauftrag zu vergessen, nachdem die NV-Bescheinigung eingereicht wurde. Beides gehört zusammen.
Eines solltest du langfristig im Blick behalten: Wenn dein Kind anfängt, Geld zu verdienen, etwa durch einen Ferienjob oder eine Ausbildungsvergütung, sinkt der verfügbare steuerfreie Spielraum für Kapitalerträge. In solchen Fällen lohnt sich ein kurzer Check, ob die NV-Bescheinigung noch greift oder ob eine Steuererklärung für das Kind sinnvoller wäre. Das ist kein Hexenwerk, erfordert aber ein bisschen Aufmerksamkeit.
Junior-Depot und Schenkung: Was Großeltern, Paten und Verwandte wissen müssen
Oma und Opa wollen auch sparen? Das ist wunderbar. Aber die Mechanik dahinter ist nicht ganz trivial. Wer darf ein Junior-Depot eröffnen, wer darf einzahlen, und was ist steuerlich zu beachten? Es gibt klare Regeln, und wer sie kennt, vermeidet böse Überraschungen.
Wer darf ein Junior-Depot eröffnen?
In Deutschland dürfen ausschließlich die sorgeberechtigten Eltern oder ein gerichtlich bestellter Vormund ein Junior-Depot eröffnen. Das ist gesetzlich geregelt und dient dem Schutz des Kindesvermögens. Beide Elternteile müssen den Antrag unterschreiben, auch wenn sie getrennt leben. Die Bank prüft das genau. Großeltern, Paten, Onkel oder Tanten haben diese Möglichkeit nicht, selbst wenn die besten Absichten dahinterstecken.
Für die Eröffnung benötigst du folgende Unterlagen:
- Geburtsurkunde des Kindes
- Gültige Ausweise beider Elternteile
- Steuer-Identifikationsnummer des Kindes
Die Steuer-ID schickt das Finanzamt kurz nach der Geburt automatisch per Post. Sie ist zwingend erforderlich, weil das Depot steuerlich auf den Namen des Kindes läuft. Ohne Steuer-ID kein Junior-Depot.
Wie können Großeltern trotzdem mitsparen?
Großeltern, Paten und andere Verwandte können sehr wohl zum Aufbau des Kindervermögens beitragen, sie können nur kein eigenes Depot eröffnen. Der praktischste Weg ist die direkte Überweisung auf das Verrechnungskonto des Junior-Depots. Die Eltern kaufen dann mit dem überwiesenen Geld ETF-Anteile. Das funktioniert reibungslos und erfordert keine komplizierte Abstimmung. Einfach die IBAN des Verrechnungskontos weitergeben. Weitere Wege für Nicht-Eltern erklärt juniordepot-einfach.de ausführlich.
Steuerlich sind Überweisungen von Großeltern an das Kinderdepot Schenkungen, für die klare Freibeträge gelten. Pro Großelternteil darf dem Enkel innerhalb von zehn Jahren bis zu 200.000 € geschenkt werden, ohne dass Schenkungssteuer anfällt. Jeder Elternteil hat sogar einen Freibetrag von 400.000 €. Für Paten, Tanten, Onkel und andere Verwandte liegt die Grenze bei 20.000 €. Diese Freibeträge gelten jeweils pro Person und können alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden.
Wichtig: Schenkungen müssen dem Finanzamt innerhalb von drei Monaten angezeigt werden. Das gilt auch, wenn der Betrag unter dem Freibetrag liegt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und kein bürokratischer Schikane-Akt, sondern Teil des deutschen Schenkungssteuerrechts. Wer das vergisst, riskiert Nachfragen vom Finanzamt.
Bei größeren Summen ist es sinnvoll, Schenkungen in Tranchen aufzuteilen. Wer 150.000 € über mehrere Jahre überträgt, kann Freibeträge besser ausnutzen und belastet die Zehnjahresfrist nicht unnötig. Das erfordert etwas Planung, zahlt sich aber aus.
Was viele übersehen: Wenn mehrere Familienmitglieder schenken, können die Freibeträge parallel genutzt werden. Beide Großelternteile mütterlicherseits und väterlicherseits haben jeweils eigene Freibeträge von 200.000 €, beide Elternteile haben jeweils 400.000 €. Bei koordinierter Planung lassen sich über die Jahre erhebliche Summen vollständig steuerfrei auf das Kind übertragen. Das ist kein Steuertrick, sondern das legale Nutzen gesetzlich vorgesehener Freibeträge.
Noch ein praktischer Hinweis für Paten und entferntere Verwandte: Ihr Freibetrag liegt bei nur 20.000 €, was vergleichsweise niedrig ist. Wer trotzdem über viele Jahre regelmäßig kleine Beträge auf das Verrechnungskonto überweist, bleibt in der Regel weit unter dieser Grenze und muss sich über Schenkungssteuer keine Gedanken machen. Gelegenheitsgeschenke zu Geburtstag, Weihnachten oder Konfirmation sind ohnehin in angemessener Höhe steuerfrei und zählen nicht auf den Freibetrag an.
Welche ETFs eignen sich am besten für ein Junior-Depot?
Der Anlagehorizont im Junior-Depot ist außergewöhnlich lang. Wer für ein Neugeborenes spart, hat 18 Jahre Zeit. Das ist länger als die meisten Anlagezyklen am Aktienmarkt. Historisch gesehen glichen sich Kursschwankungen bei breiten Aktien-ETFs über solche Zeiträume immer aus. Das macht breit gestreute Welt-ETFs zur naheliegendsten Wahl für ein Kinderdepot.
Die Klassiker sind der MSCI World, der FTSE All-World und der MSCI ACWI. Alle drei investieren in Hunderte bis Tausende Unternehmen weltweit, was das Klumpenrisiko erheblich senkt. Beim MSCI World liegt der Fokus auf etablierten Märkten, beim FTSE All-World und ACWI kommen Schwellenländer hinzu. Wer die breiteste Streuung will, nimmt einen der letzteren. Für die meisten Eltern ist das die sinnvollere Wahl. Wie du konkret einen ETF-Sparplan einrichtest, erkläre ich in meinem ausführlichen Schritt-für-Schritt-Guide.
Eine häufige Frage ist, ob man thesaurierende oder ausschüttende ETFs wählen sollte. Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch, was den Zinseszinseffekt maximiert. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden aus, was den Sparerpauschbetrag des Kindes jedes Jahr automatisch ein Stück weit verbraucht. Beide Varianten haben ihre Berechtigung: Wer den Freibetrag aktiv ausschöpfen will, nimmt Ausschüttende. Wer den Zinseszins maximiert, nimmt Thesaurierende. Das eine schließt das andere nicht aus.
Auf die Kosten kommt es an. Die jährliche Gesamtkostenquote (TER) sollte unter 0,20 % liegen. Die günstigsten Welt-ETFs kosten 0,07 bis 0,15 % pro Jahr. Günstige Neobroker bieten ETF-Sparpläne oft kostenlos an, was über 18 Jahre einen erheblichen Renditeunterschied ausmacht. Einzelaktien gehören nicht ins Kinderdepot. Zu viel Risiko, zu viel Aufwand, kein struktureller Vorteil gegenüber einem breit gestreuten ETF. Mit meinem Sparplanrechner kannst du direkt ausrechnen, wie sich verschiedene Sparraten über 18 Jahre entwickeln.
Welche Sparrate ist sinnvoll? Schon 25 bis 50 € monatlich machen über 18 Jahre einen erheblichen Unterschied, weil der Zinseszinseffekt bei langen Laufzeiten am stärksten wirkt. Lieber klein und regelmäßig als groß und unregelmäßig. Das ist bei Kinderdepots besonders wahr.
Wenn du dir unsicher bist, ob ein thesaurierender oder ausschüttender ETF besser zu eurer Situation passt, ist das eine gute Frage für ein Beratungsgespräch. Es gibt keine allgemeingültige Antwort: Es hängt davon ab, wie groß das Depot wird, ob die Freibeträge jedes Jahr vollständig ausgeschöpft werden können und wie aktiv du das Depot verwalten willst. Wer sich einen Überblick über konkrete ETF-Empfehlungen für Kinder und Enkel machen möchte, findet bei biallo.de eine nützliche Zusammenstellung verschiedener Produkte und Anbieterkonditionen.
Junior-Depot eröffnen: Schritt für Schritt
Die Eröffnung eines Junior-Depots ist einfacher als viele denken. In den meisten Fällen dauert der gesamte Prozess weniger als eine Stunde. Hier ist, was dich erwartet und worauf du achten solltest.
Schritt 1: Den richtigen Anbieter wählen
Beim Anbieter gibt es einige Kriterien, auf die du achten solltest. Erstens: kostenlose Depotführung. Nicht alle Banken bieten das an. Zweitens: günstige oder kostenlose ETF-Sparpläne, idealerweise ab 1 €. Drittens: eine breite ETF-Auswahl, damit du flexibel bleibst. Und viertens: eine einfache Bedienoberfläche, weil du das Depot regelmäßig nutzen wirst.
Zu den verbreiteten Anbietern mit Junior-Depot-Angebot zählen die Consorsbank, die ING, die Comdirect, Scalable Capital und finanzen.net Zero. Sie unterscheiden sich in Konditionen, Sparplanauswahl und Benutzerfreundlichkeit. Es lohnt sich, die aktuellen Angebote zu vergleichen, weil sich die Marktlage regelmäßig ändert. Eine pauschale Empfehlung für einen einzelnen Anbieter gebe ich bewusst nicht: Das hängt von deiner konkreten Situation ab.
Achte bei der Anbieterauswahl auch auf den Kundenservice und die Stabilität der Plattform. Ein Depot, das du 18 Jahre hältst, sollte nicht bei einem Anbieter sein, der in fünf Jahren möglicherweise vom Markt verschwunden ist. Etablierte Direktbanken bieten hier mehr Kontinuität als junge Neobroker, die mitunter günstigere Konditionen haben. Beides hat seine Berechtigung, je nachdem, was dir wichtiger ist.
Schritt 2: Das Depot eröffnen
Für die Eröffnung legst du folgende Unterlagen bereit: die Geburtsurkunde des Kindes, gültige Ausweise beider Elternteile und die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes. Beide Elternteile müssen sich identifizieren, in der Regel per VideoIdent oder PostIdent. Das klingt aufwendig, ist aber gut organisiert und läuft bei den meisten Direktbanken vollständig online ab. Wie das Depot eröffnen im Detail funktioniert, erkläre ich in einem eigenen Guide.
Das Depot wird auf den Namen des Kindes angelegt. Du als Elternteil bist nicht der Depotinhaber, sondern der gesetzliche Vertreter. Dieser Unterschied erscheint auf den ersten Blick technisch, ist aber rechtlich bedeutend: Er ist die Grundlage dafür, dass das Kind seine eigenen Steuerfreibeträge nutzen kann. Und genau das macht das Junior-Depot so attraktiv.
Schritt 3: ETF-Sparplan einrichten und Steuervorteil sichern
Sobald das Depot steht, richtest du den ETF-Sparplan ein. Wähle deinen ETF, lege die monatliche Sparrate fest und richte einen Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto des Depots ein. Das Depot kauft dann automatisch ETF-Anteile, ohne dass du jeden Monat manuell handeln musst. Das ist einer der größten Vorteile des Sparplans: er läuft einfach.
Zwei steuerliche Maßnahmen solltest du sofort nach der Eröffnung erledigen:
- Freistellungsauftrag von 1.000 € für das Kind bei der Bank stellen
- NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen (Formular NV 1 A via ELSTER) und nach Erhalt bei der Bank einreichen
Wer beides vergisst, zahlt unnötig Steuern. Das Finanzamt erinnert dich nicht von selbst. Welche steuerlichen Aspekte rund um Schenkungen ins Kinderdepot du außerdem beachten musst, erklärt depotfuerkinder.de ausführlich.
Zuletzt: Teile die IBAN des Verrechnungskontos mit Großeltern, Paten und anderen Verwandten, die für das Kind sparen möchten. Sie können dann direkt überweisen, und du investierst das Geld in den ETF. So wird das Junior-Depot zum Familienprojekt, ohne dass jeder einen eigenen Depot-Zugang braucht.
Plane außerdem von Anfang an, wie du das Depot langfristig verwalten willst. Ein gut eingerichteter Sparplan, der automatisch läuft, braucht im Normalfall kaum Eingriffe. Trotzdem lohnt es sich, das Depot einmal jährlich kurz zu überprüfen: Läuft der Sparplan noch? Ist der Freistellungsauftrag korrekt? Ist die NV-Bescheinigung noch gültig? Diese drei Fragen reichen für die meisten Familien vollständig aus. Mehr Aufwand ist in der Regel nicht nötig.
Was du beim Junior-Depot langfristig im Blick haben solltest
Ein Junior-Depot ist kein Selbstläufer, der einmal eingerichtet wird und dann für 18 Jahre unbeachtet bleibt. Der Sparerpauschbetrag verfällt jedes Jahr, wenn er nicht ausgeschöpft wird. Ein guter Weg, ihn zu nutzen, ist das gezielte Realisieren von Gewinnen innerhalb der steuerlichen Grenzen: ETF-Anteile verkaufen und sofort wieder kaufen. So werden Buchgewinne offiziell realisiert und der Freibetrag verbraucht. Das klingt nach Aufwand, macht aber bei wachsenden Depots langfristig einen erheblichen Unterschied. Wenn das Kind das Depot irgendwann übernimmt, profitiert es von einem möglichst niedrigen Steuerstau. Das Junior-Depot lässt sich auch sinnvoll in eine gesamte Familien-Finanzstrategie einbetten, wie ich sie im Artikel zum 3-Konten-Modell beschreibe.
Die BAFöG-Grenze solltest du im Hinterkopf behalten. Ab einem Kindervermögen von ca. 8.200 € entfällt der BAFöG-Anspruch. Das klingt nach einer fernen Zukunft, ist aber bei einem langen Sparplan durchaus relevant. Wer plant, BAFöG als Option offenzuhalten, sollte es wissen und die Vermögensentwicklung im Depot im Blick behalten.
Die gesetzliche Familienversicherung greift nur, wenn das Einkommen des Kindes bestimmte Grenzen nicht überschreitet. Bei Kapitalerträgen liegt diese Grenze bei 537 € pro Monat. Das klingt nach viel. Tatsächlich brauchst du dafür ein Depot von deutlich über 80.000 €, um diese Grenze allein durch ETF-Erträge zu überschreiten. Für die meisten Familien ist das also kein praktisches Problem, aber gut zu wissen ist es trotzdem.
Die NV-Bescheinigung muss alle drei Kalenderjahre erneuert werden. Trag dir das im Kalender ein, damit du nicht plötzlich Abgeltungssteuer zahlst, weil die Bescheinigung abgelaufen ist. Wenn dein Kind anfängt zu jobben, einen Ausbildungsplatz antritt oder andere Einkünfte bekommt, prüfe, ob der Grundfreibetrag noch vollständig für Kapitalerträge zur Verfügung steht. Das ist kein großer Aufwand, zahlt sich aber aus.
Und noch ein letzter Punkt, der oft vergessen wird: Führe eine einfache Dokumentation, wer wann wie viel ins Depot eingezahlt hat. Das muss keine aufwendige Tabelle sein, eine einfache Notiz genügt. Bei Schenkungen von Großeltern oder Verwandten ist das besonders wichtig, weil die Zehnjahresfrist für Freibeträge mitgezählt werden muss. Eine kurze Aufzeichnung schützt vor späteren Unklarheiten beim Finanzamt und erleichtert die Übergabe des Depots an das Kind erheblich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ein Junior-Depot ist einer der besten Schritte, die du für dein Kind tun kannst. Aber welcher Anbieter passt zu eurer Situation? Welcher ETF ist der richtige Einstieg? Und wie optimierst du die Steuervorteile wirklich vollständig? Das sind Fragen, die ich dir in einem persönlichen Gespräch genau beantworten kann. Als unabhängiger Finanzberater schaue ich mir deine Situation ganzheitlich an, ohne versteckte Interessen und ohne Produktempfehlungen auf Provisionsbasis.
Vereinbare jetzt dein kostenloses Erstgespräch und wir schauen gemeinsam, wie du das Junior-Depot optimal für dein Kind aufstellst.


